Nachhaltige Mode

Unter nachhaltiger Mode verstehen wir Kleidung, die in Übereinstimmung mit dem Konzept der Nachhaltigen Entwicklung designt, produziert, (wieder-) genutzt und entsorgt wird. Damit besteht das Ziel nachhaltiger Mode darin, sowohl ökologische als auch soziale Einflüsse der konventionellen Modeindustrie, deren Produktionsprozesse in hohem Maße negative Umweltauswirkungen verursachen und mit dem systematischen Verstoß gegen Menschen- und Arbeitsrechte in Verbindung stehen, zu reduzieren [1]. Jede Stufe im Produktionsprozess und in der Nutzungsphase der Kleidung bedarf einer Transformation, um eine nachhaltige Mode zu kreieren.

Im ersten Schritt, dem Design-Prozess, werden die Abfälle von Stoffen und Garnen miminiert. Der Designer gestaltet intelligente Kleidung, die lange haltbar und vom Endnutzer leicht zu behandeln ist. Anstelle schnell wechselnder Trends werden zeitlose Stücke hergestellt. In der Beschaffungs- und Herstellungsphase nachhaltiger Mode werden die Rechte der Arbeiter von Gewerkschaftsnetzwerken, Regierungsorganisationen und Gesellschaften begleitet, um eine gerechte Behandlung sicherzustellen. Das beschaffte Material weist die geringstmöglichen ökologischen Einflüsse auf. Dies beinhaltet biologische Baumwolle, umweltschonende synthetische Fasern, recyclete oder wiederverwendete Materialien. Die Verarbeitung der Kleidungsstücke, insbesondere das Färben und Bleichen, kann man nachhaltiger gestalten, indem man natürliche Färbemittel nutzt oder in einem geschlossen Kreislaufsystem Kleidung färbt. Umweltschäftliche Fertigstellungsprozesse wie “Falten-frei” werden nicht angewendet. Transport- und Distributionsverfahren werden ebenfalls einer Optimierung unterzogen, z.B. indem Transportmittel mit niedrigeren Umweltauswirkungen gewählt werden [2].

In der Nutzungsphase sind Beispiele für einen nachhaltigen Modekonsum: selteneres Waschen bei niedrigeren Temperaturen, längere Tragezeiträume, seltener neue Kleidung kaufen und die Rückführung in ein geeignetes System für Recyclingzwecke am Ende der Nutzung [1]. Diese Phase verursacht einen großen Anteil des gesamten Energieverbrauchs. Im Sinne eines nachhaltigen Modekonsums werden entsorgte Kleidungsstücke meist wiederverwendet und nicht als Müll entsorgt. Im Gegenteil, durch Second-Hand Märkte, Recycling oder Upcycling wird der Lebenszyklus nachhaltiger Mode verlängert.

Über die eigentliche Produktions- und Nutzungsphase der Kleidung hinaus muss das Konzept nachhaltiger Kleidung die sozialen und kulturellen Dimensionen von Mode sowie Wertesysteme und Einstellungen umfassen. Der Einbezug dieser immateriellen Teile der Industrie ist entscheidend für deren Transformation. Nachhaltige Mode ist nicht etwas, das direkt zum Verkauf bereit steht, sie muss entwickelt werden durch die gemeinsame Übernahme von Verantwortung von Unternehmen und Konsumenten.

Laura Stanszus & Samira Iran, TU Berlin


[1] Allwood, J.M., Laursen, S.L., de Rodríguez, C.M., Bocken, N.M.P. (2006). Well dressed? The present and future sustainability of clothing and textiles in the United Kingdom. Cambridge: Cambridge University.

[2] Fletcher, K., Grose, L. (2012). Fashion & Sustainability-Design for Change. London: Laurence King Publishing Ltd.